Wie Probleme zur Lösung mit gesellschaftlicher Bedeutung werden

Wie Probleme zur Lösung mit gesellschaftlicher Bedeutung werden

13. Dezember 2019

Passau, der 14.12.2019 – „Wir waren faul und wollten uns eigentlich nur Arbeit sparen.“ Doch durch ihre eigene Bequemlichkeit entwickelten zwei Gründer durch Zufall eine innovative Software zur Zeitmessung und Auswertung im Rahmen von Wettkämpfen. Insbesondere bei Volksläufen und Triathlons stehen Sportvereine, die in der Regel Ausrichter solcher Sportveranstaltungen sind, meist vor der Qual der Wahl: Entweder eine professionelle technisch unterstützte Zeitnahmefirma beauftragen oder alternativ mit Hilfe vieler Helferinnen und Helfer die Ergebnisse manuell per Hand erfassen und auswerten. Doch während bei Alternative eins die Kosten für die Sportvereine und Veranstalter verhältnismäßig hoch sind, ist bei Alternative zwei der Personalaufwand und die Fehleranfälligkeit gleichermaßen hoch. Eine Lösung für diese Problematik bietet die neue Anwendung namens resultastic. Erfunden wurde sie von Ferdinand Frank und Christian Teringl, die zusammen vor zwei Jahren bereits die Sportler-Plattform Spoferan aus der Universität Passau ausgegründet haben. „Unser Ziel war es damals, mit einem neuen Geschäftsmodell die technisch anspruchsvolle und kostenintensive Zeitnahme mithilfe von RFID-Transpondern auch kleinen Sportveranstaltern zur Verfügung zu stellen.“, so Frank. „Doch wir merkten schnell, dass diese Art der Zeitnahme sehr aufwendig und technisch sehr anspruchsvoll ist und es daher sehr schwierig ist, sie auch kleinen Veranstaltern zur Verfügung zu stellen.“ Für eine kleine Veranstaltung mit nur wenigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im vergangenen Sommer, für die sie gebucht waren, wollten sie ohne das technische Equipment die Zeiten im Ziel erfassen. „Der Aufwand wäre für uns einfach zu groß gewesen, die ganze Anlage dort für wenige Teilnehmer aufzubauen. Daher entschieden wir uns, die Zeiten per Hand zu erfassen. Doch um unseren eigenen Aufwand beim Wettkampf zu minimieren entwickelten wir dafür kurzerhand eine eigene Software. Damit konnten wir die Zeiten erfassen und sie damit gleichzeitig über die Software live auswerten und den Zuschauern und Teilnehmern sofort als vorläufige Ergebnisliste zur Verfügung stellen“, erzählt Teringl über die Geburtsstunde von resultastic. „Wir merkten dann nach der Veranstaltung, dass diese eigentlich nur für uns für diesen Tag entwickelte Software die perfekte Lösung für unsere ursprüngliche Zielsetzung war – und nicht die Querfinanzierung von RFID-Zeitnahmechips“. Im vergangenen halben Jahr entwickelten die beiden ehemaligen Passauer Studenten die eigene Software weiter, testeten sie auch bei weiteren Einsätzen unter Realbedingungen und stellen sie ab 2020 allen Sportvereinen gegen ein kleines Entgelt von nur wenigen Cent pro Teilnehmer zur Verfügung. Damit wird ihr eigenes Problem, der hohe Aufwand bzw. die hohen Kosten der Zeitnahme bei kleinen Wettkämpfen, zur Lösung von der vor allem ehrenamtliche Helfer in Sportvereinen profitieren. Die beiden Start-up-Gründer zeigen damit einmal mehr, wie aus reinem Zufall neue Produkte und Services entstehen, die insbesondere auch im sozialen und Umweltbereich eine wichtige Rolle für die Gesellschaft spielen. Teringl forscht derzeit selbst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich „Social Entrepreneurship“, einer aufkommenden Gruppe von Start-ups, für die nicht der Gewinn, sondern der „Social Impact“ auf eine Gesellschaft an erster Stelle steht. Während es bei Spoferan und ihrer Anwendung resultastic darum geht, ehrenamtliche Helfer in Sportvereinen zu unterstützen, engagieren sich andere Gründerinnen und Gründer beispielsweise auch im Bereich Umwelt, wie etwa die Primoza GmbH. Für die Gründer, die mit ihrer Firma unter anderem den sogenannten „wachsenden Kalender“ produzieren, war es schlicht ein Problem, dass Jahreskalender am Ende eines Jahres im Müll landen. Also entwickelten sie ein Papier, in das verschiedene Pflanzensamen eingearbeitet sind. Jedes Kalenderblatt kann nach dem jeweiligen Monat in kleine Stücke zerrissen und sofort im jeweiligen Folgemonat eingepflanzt werden. So wird aus einem Kalender am Lebensende kein Müll, sondern eine junge Pflanze, die im besten Fall mehr Holz produziert als für die Herstellung des Kalenderblattes nötig war und uns Menschen mit Sauerstoff versorgt sowie Kohlenstoffdioxid aus der Luft filtert. So wird auch in diesem Fall das eigene Problem der Gründer, Müll, zu einer Lösung mit einer gesellschaftlichen Bedeutung: Leben in Form von Pflanzen.